1.1 Flächennutzung / Bauleitplanung
Der Flächenverbrauch in Erlangen nimmt ständig auf Kosten von Flora und Fauna zu. So wurden in den vergangenen Jahren durch die Stadtratsmehrheit aus CSU, F.D.P. und FWG - teilweise entgegen dem fachlichen Rat des Umweltamtes – viele hunderte Hektar mehr Siedlungs- und Gewerbegebiete sowie Verkehrsflächen ausgewiesen. Dadurch hat Erlangen zwar mehr Einwohner bekommen, jedoch nicht mehr Gewerbesteuer. Weniger Wohn- und Lebensqualität waren an manchen Orten die Folge. Lärm und Abgase haben das Ihre dazu beigetragen. Die Einkommensteuer überstieg in den vergangenen Jahren oftmals die Gewerbesteuereinnahmen. Es hat also auch finanziell keinen Sinn, kurzsichtig angebliche Wirtschaftsfreundlichkeit auf Kosten der Bewohner zu betreiben. Erlangens Stadtplanung muss ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Nachhaltigkeit miteinander verbinden. Neben den beiden großen Neubaugebieten Büchenbach-West und Röthelheimpark sehen wir keinen weiteren Spielraum für großflächige neue Wohnansiedelung im Stadtgebiet. Auch die Ausweisung von neuen Gewerbegebieten sehen wir sehr skeptisch – wir müssen mit den vorhandenen brachliegenden und in der Nutzung befindlichen Gewerbeflächen auskommen. Erlangen ist die Großstadt mit dem höchsten Anteil an Flächen mit land- und forstwirtschaftlicher Nutzung und naturbelassenem Grün – das soll so bleiben.
Vor allem müssen Auflagen und Forderungen des Landschaftsschutzes konsequent eingehalten und berücksichtigt werden. Sie dürfen nicht privaten Einzelinteressen geopfert werden, wie dies in den letzten Jahren der Fall war (z. B. Reiterhof in Tennenlohe, Bebauung in Kleindechsendorf und Eltersdorf). Auch muss eine weitere Zersiedlung im Stadtgebiet verhindert werden, so dass Landwirtschaft auch noch stadtnah betrieben werden kann. Schließlich sind ökologische Ausgleichsflächen dringend erforderlich.
Eine ökologisch und ganzheitlich orientierte Stadtentwicklungspolitik muss folgende Ziele gleichberechtigt verfolgen: ein gesundes, menschenfreundliches und generationenübergreifendes Wohnumfeld, Bauen unter ökologischen und baubiologischen Gesichtspunkten, die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen und die Bewahrung von Grünflächen und Biotopen im Stadtgebiet.
Die ödp fordert für unsere Stadt:
- Bereits in der Stadtplanung muss die Infrastruktur für eine ökologisch orientierte Verkehrspolitik berücksichtigt werden!
- Die Bebauungspläne müssen ökologisch gestaltet werden: Funktionsmischung, Fassaden- und Dachbegrünung, eine nachhaltige Wärmeenergieversorgung, Gebäudeausrichtung usw.!
- Minimierung der Flächenversiegelung: möglichst wenig soll unter Teer und Asphalt verschwinden!
- Qualifizierte kommunale Bauberatung – auch unter ökologischen Aspekten. Vorbildfunktion bei kommunalen Bauten: baubiologische Erkenntnisse müssen hier besonders berücksichtigt werden! Besonders beim anstehenden Schulsanierungsprogramm darf nicht an falscher Stelle „gespart“ werden! Präsentationsmöglichkeiten für Architekten, die sich baubiologischer Bauweise verschrieben haben!
- Möglichst keine Kopplung von zu verkaufenden Grundstücken an bestimmte Bauträger bei Einzelund Doppelhäusern!
- Keine Autostellplatzverpflichtung in Neubaugebieten! Die derzeitige Verpflichtung ist bei den momentanen Preisen für Bauland eine nicht zu akzeptierende Vorgabe. Sinnvoll erscheint uns, wenn beim Nachweis einer Jahreskarte des ÖPNV ein Stellplatz nicht zwingend gefordert wird.
