1.2. Verkehr

Die Attraktivität von Erlangen als Wohnort leidet darunter, dass vom Verkehr Emissionen ausgehen und sein Platzbedarf andere Nutzungen der Flächen unmöglich macht. Aber eine Stadt ohne Verkehr funktioniert nicht. Verkehr ist jedoch kein Selbstzweck. Durch den Verkehr wird den Bürgern die Möglichkeit gegeben, sich zu versorgen oder etwas außerhalb ihres Wohnbereiches zu erledigen, das sie dort direkt nicht können.

Deshalb muss der Verkehr so abgewickelt werden, dass die negativen Einflüsse so weit wie möglich reduziert werden. Das kann z.B. durch Verlagerung auf andere, effizientere Verkehrsträger geschehen oder durch Verkürzung der Wegstrecken.

Fahrradstadt Erlangen

Der Anteil des Radverkehrs in Erlangen ist erfreulich hoch. Durch die ebene Topografie Erlangens und das regenarme Klima konnte dieser Erfolg erreicht werden, obwohl es keine idealen Rahmenbedingungen auf den Straßen gibt. Diese gilt es zu optimieren. Die Radrouten sollen durchgängig auf direktem Weg auf verkehrsarmen Nebenstraßen oder eigenen Flächen vom Stadtrand bis in die Innenstadt geführt werden. Dort, wo es eng wird, werden gemeinsam genutzte Flächen bereitgestellt, auf denen eine Reduzierung der Geschwindigkeiten und gegenseitige Rücksichtnahme für die notwendige Verkehrssicherheit sorgt („Shared Space“). Wir fordern den Bau eines Fahrradparkhauses in unmittelbarer Bahnhofsnähe. Bis dahin muss gemeinsam mit der Bahn eine intelligente und kreative Lösung für das Chaos bei den Fahrradparkplätzen rechts und links des Bahnhofes gefunden werden.

Elektrische Fahrräder sind eine erstaunlich erfolgreiche Form der E-Mobilität. Sie bieten neue Möglichkeiten für Berufspendler, da sie weitere Entfernungen ohne große sportliche Leistungen fahrbar machen. Dies muss durch die Einrichtung eines hochwertigen, direkten Radwegenetzes aus dem Umland in die Stadt auf ruhigen Nebenstrecken unterstützt werden. Wir wollen ein Premiumnetz zusammen mit den Nachbargemeinden entwickeln und gestalten.

Öffentlicher Verkehr

Der Öffentliche Verkehr ist so auszubauen, dass er die umsteigenden Autofahrer aufnehmen kann. Bei der Weiterentwicklung des Busverkehrs ist darauf zu achten, dass die Bedürfnisse der einpendelnden Arbeitnehmer aus dem Umland besser berücksichtigt werden. Das kann nur sinnvoll in Zusammenarbeit mit dem Landkreis erfolgen. Für die jetzigen Nutzer des Öffentlichen Verkehrs darf sich nichts verschlechtern.

Eine Stadt-Umland-Bahn ist bei deutlich gestiegenem Fahrgastaufkommen die wirtschaftlichste Lösung für einen attraktiven und leistungsfähigen Öffentlichen Verkehr, der darüber hinaus noch recht einfach auf regenerativ erzeugten Strom umzustellen ist.

Bei allen Neubaumaßnahmen muss geprüft werden, wie die Belange des Öffentlichen Verkehrs vorrangig berücksichtigt werden können, bevor weitere Parkplätze angelegt werden. Insgesamt sollen alle Maßnahmen im Verkehr dazu führen, dass der Anteil des Öffentlichen Verkehrs sich bis 2030 mindestens verdoppelt und der PKW-Verkehr entsprechend abnimmt.

Altstadt

Eine Reduzierung des Busverkehrs in der Hauptstr./Goethestr. setzt eine Entwicklung der städtebaulichen Brachfläche um den Busbahnhof (Großparkplatz) voraus. Durch die Weiterentwicklung des Stadtmuseums zu einem kulturellen Zentrum wollen wir eine Aufwertung der Altstadt erreichen.

Carsharing

Die Stadt soll das Carsharing durch Einrichtung von Stellplätzen für das Carsharing im öffentlichen Straßenraum unterstützen. Dieses soll in Form von Mobilpunkten geschehen, die nicht nur einzelne Abstellplätze für Carsharing-Fahrzeuge bieten, sondern auch Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs und attraktive Fahrradabstellplätze. Durch Carsharing wird es den Bürgern besser ermöglicht das jeweils für einen bestimmten Fahrtzweck beste Verkehrsmittel auszuwählen, da die festen Kosten der Fahrzeughaltung in variable Kosten bei Nutzung umgewandelt werden. Ein Carsharing-Fahrzeug ersetzt in der Regel sieben private PKW.

Verkehrsklima

Eine weitgehende Geschwindigkeitsreduzierung, z.B. durch Erweiterung der Tempo-30- oder verkehrsberuhigten Zonen (Spielstraßen), ermöglicht es, den Radverkehr auch auf Fahrbahnen durchzuführen und den knappen Platz auf den Fußgängerwegen wieder zum Leben zu nutzen. Es wird dadurch für Kinder eher möglich sein, schon im Kindergartenalter die Umgebung ihrer Wohnung eigenständig zu erkunden. Effektivere Kontrolle des fließenden und ruhenden Verkehrs erachten wir als notwendig.

Mobilitätsmanagement

Ein großer Teil des Verkehrsaufkommens in Erlangen sind die einpendelnden Arbeitnehmer. Arbeitgeber sowie Hochschulen sollen motiviert werden ein wirksames Mobilitätsmanagement zu betreiben, so dass ihre Mitarbeiter und Studierenden möglichst mit dem Umweltverbund zur Arbeit kommen und sie selbst weniger Parkplätze bereitstellen müssen. Aus diesem Grunde werden wir ein Studierendenticket einführen.

Wirtschaftsverkehr

Dieser ist für die Stadt lebenswichtig, muss aber nicht unbedingt so belastend für die Bürger durchgeführt werden. Eine City-Logistik stellt den Betrieben ein effizientes System zur Verfügung, mit dem die Transporte im Stadtgebiet mit dafür geeigneten Fahrzeugen durchgeführt werden können und sie vermeidet durch Bündelung Doppelfahrten.

Einfluss der Bauleitplanung auf den Verkehr

Neue Siedlungen sind so zu planen, dass der Autoverkehr weitgehend am Rand bleibt. Dadurch können innerhalb einer Siedlung Flächen effektiver genutzt werden. Durch die Reduzierung des Autoverkehrs in den Siedlungen können die Wege zwischen den Wohnungen auch wieder zum „Leben“ genutzt werden und Kinder können die Umgebung ihrer Wohnung wieder altersgemäß selbständig erkunden.

In Bereichen hoher Siedlungsdichte, idealerweise direkt in der Umgebung von Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs, sind gemischte Nutzungen aus Wohnen und nicht störendem Gewerbe anzustreben.

Großparkplatz

Der Großparkplatz ist eine städtebauliche Brachfläche. Es ist aber auch die Fläche in Erlangen, die am besten mit dem Öffentlichen Verkehr erschlossen ist. Deshalb muss diese Fläche dringend ohne die Einrichtung von neuen, zusätzlichen Parkflächen für die Nutzung durch Gewerbe beplant werden. Für die zusätzlich gewünschte Nutzung durch Wohngebäude muss ein sehr großes Augenmerk auf den Lärmschutz gelegt werden. Idealerweise muss dafür die Autobahn überbaut werden (Einhausung), was aber die Erschließung von weiteren Finanzierungsquellen (Bund und Land) voraussetzt.

Einkaufen

Die Stadt stellt durch einen Nahversorgungsplan dar, wie sich ihre Bürger durch Einkaufsmöglichkeiten in der Umgebung ihrer Wohnungen versorgen können. Dabei werden alle Möglichkeiten geprüft und genutzt, die wohnungsnahen, kleineren Geschäfte so zu stellen, dass sie mit den großen Supermärkten konkurrieren können.

Stadt-Umland-Bahn

Eine leistungsfähige und attraktive Stadt-Umland-Bahn (StUB) brauchen nicht nur diejenigen, die vor Lärm, Abgasen und vor allem horrenden Wohn- und Mietpreisen ins Umland geflohen sind. Auch diejenigen, die in Erlangen wohnen und vom Pendlerverkehr entlastet werden wollen, profitieren davon. Neben einer StUB mit der Kapazität einer Autobahn braucht man keine zusätzlich entlastenden Ortsumgehungsstraßen. Straßenneubauten stellen eine Fehlinvestition in einen schon heute kaum mehr wachstumsfähigen motorisierten Individualverkehr dar. Zukunftsträchtiger ist es wohl, eine Bahn mit moderner, energiesparender Technik zu bauen, als 18.000 Kfz mehr zu haben.

Den Anschluss der StUB an den neu zu konzipierenden Siemens-Campus sehen wir positiv. Die Innenstadt ist ebenfalls anzuschließen. Wir präferieren beim westlichen Trassenast die Alternativ-Variante der Bürgerinitiative „Umweltfreundliche Mobilität im Schwabachtal“. Hier wird auf den Bau des Kosbacher Damms verzichtet. Die Gleistrasse führt hierbei über den Büchenbacher Damm und erschließt Büchenbach zentral. Voraussetzung für den Bau ist eine solide Finanzierung des Projektes.

Des Weiteren fordert die ÖDP:

  • Kein Bau der Kosbacher Brücke, da hierdurch deutlich mehr Verkehr entstehen würde. Flora und Fauna im Wiesengrund würden teils verschwinden und Radfahren im Regnitzgrund wäre in weiten Bereichen kein Vergnügen mehr.
  • Bus-, Bahn- und Radverkehr müssen wieder erste Priorität haben!
  • Bessere Kontrollen von Straßen, die für den Normalverkehr gesperrt sind (z.B. Durchfahrtverbot vor dem Bahnhof, Radverkehrsachsen und die Fußgängerzone)
  • Rekommunalisierung der Verkehrsüberwachung für eine effizientere Koordination der Kontrollen
  • Finanzielle Unterstützung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), solange er sich durch attraktive Weiterentwicklung nicht selbst tragen kann.
  • Überprüfung der automatisch jährlich steigenden Ticketpreise
  • Mehr Werbung für die attraktiven ÖPNV-Angebote gerade bei Fahrplanänderungen
  • Prüfung sämtlicher stadtplanerischer Maßnahmen bezüglich ihrer Wirkung auf den ÖPNV
  • Sanierung und Ausbau des Radwegenetzes und bessere Kontrollen
  • Bessere Abstimmung des Stadtbusverkehrs mit den Regionalbussen
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