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Leserbrief zu „Protest ohne Abstand“

Leserbief von Dr. med. Mathilde Vitzthum zum Artikel „Protest ohne Abstand“ in den ERLANGER Nachrichten vom Montag den 11. Mai 2020

„MASKEN MACHEN MUNDTOT“, „WÜRDE STATT MAULKORB“, „SELBSTBESTIMMUNG“, „Wir sind das Volk“ so konnte man es am Samstag vor der Lorenzkirche auf den Plakaten der Demonstranten gegen die Corona-Auflagen lesen und hören.

Aber auch wir sind das Volk! Als ehemalige Internistin über vierzig Jahre tätig in Krankenhäusern Erlangen und Nürnberg, u. a. auf Aufnahme- und Intensivstationen, machen mich diese Proteste nicht mundtot, jedoch sprachlos, traurig und zugleich wütend über so viel Ignoranz, Dummheit und Egoismus. Wir sind das Volk, welches man für gewöhnlich nicht sieht, weil es hinter Türen arbeitet, die nicht für Jedermann offen sind oder geöffnet werden. Das sind die Türen in den Krankenhäusern, Palliativstationen, Pflegeheimen, Rettungs- und Sanitätsautos, Rettungs- Hubschraubern, Notarztautos u. v. m.

So haben wahrscheinlich die Protestler nie das Röcheln eines Erstickenden hören, nie in seine Augen schauen müssen, nie vor Intubation den Schaum vor dem Mund absaugen müssen, nie dessen Sterbephase aushalten müssen, nie eine Antwort auf „muß ich jetzt sterben, ist es so weit“ geben müssen. Sie haben wahrscheinlich nicht den Tod ihres anvertrauten Patienten akzeptieren und sich dabei ständig hinterfragen müssen: „Habe ich medizinisch und ethisch recht gehandelt“?

Natürlich können sie sich nicht vorstellen welche Last man trägt den Angehörigen die Todesnachricht überbringen zu müssen, ihre Trauer mit zu tragen und auch ihre Verzweiflung und manchmal auch ihre Wut auszuhalten. Natürlich können sie es sich auch nicht vorstellen wie es dem Personal geht, wenn innerhalb 72 Stunden 5 Patienten an Corona auf der Intensivstation versterben. Sicher würden sie auch gerne einen Leserbrief schreiben wollen.

Sie haben, aber ausgepowert wie sie sind, schlichtweg nicht die Zeit und Kraft hierfür. Sie haben nie das Personal, welches längst schon vor Corona physisch und psychisch am Ende war, in ihren kurzen Pausen in ihren Aufenthaltsräumen gesehen. Welche dann trotzdem gleich wieder weitermachen und in den Einsatz gehen mit „Verkleiden“, was man alleine gar nicht bewältigen kann. Dann das Läuten der nächsten Alarmglocke, den adipösen Patienten umlagern, zuvor noch „Ausputzen“, weil er eingestuhlt hat usw.

Wenn mir dies Alles verschlossen ist kann ich leicht nach „Menschlichkeit, Würde, Selbstbestimmung“ usw. schreien. „Dicht an dicht und ohne Masken!“. Was wollen Sie diesen „Menschen an der Front“ noch weiter aufbürden? Aber ihr Protestler seid vorsichtig. Auch Sie oder ihre Angehörigen kann es treffen. Wie gehen Sie dann mit Ihrer Selbstbestimmung, Freiheit usw. um? Ganz zu schweigen mit der kompletten Maskenbeatmung, die sie im wahrsten Sinne des Wortes „MUNDTOT“ machen wird.


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